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„Industrie & Melodie“ (Inhaltsverzeichnis) |
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1. Cosmic Baby 1999-2006 (mehr)
2. Über „Industrie & Melodie“ (mehr)
3. Hörbeispiele (mehr)
4. Texte (mehr)
5. Familienaufstellung - elektronische Musik (mehr)
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1. Cosmic Baby 1999-2006 |
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Da redet der Mann vollmundig von „dem Wunsch, Musik zu
machen, die vielschichtigere Strukturen zu transportieren vermag;
Musik, die sich nicht per se an der Vorgabe orientieren muss, sich
möglichst mühelos und sofort in die Ohren der
Hörerinnen und Hörer hineinzuschmeicheln“, um
gleich danach sein „eindimensionales“ Cosmic Baby aus der
Mottenkiste zu holen...
Ein Widerspruch ?!?
In der Tat gab es auch in dem Zeitraum 1999 bis 2002 Momente, in denen
ich Rhythmusmaschinen und Synthesizer anschaltete und Dinge
fabrizierte, die in der Cosmic-Welt angesiedelt waren. Es waren meist
kurze, spontan entstandene Momentaufnahmen, die ich als Stereospuren
aufgenommen und aufgehoben habe. Manchmal entstanden sie auch, wenn
ich aus einer Blüchel-Arbeit ein Detail herausnahm und es in
lockeren Improvisationen zu etwas Eigenem umarbeitete.
Es waren eher sporadische Aus- und Anflüge. Und doch sind - aus
dem zeitlichen Abstand heraus besehen - einige Stücke dabei,
denen ich Unrecht tun würde, wenn sie niemals den Weg aus dem
Atelier in die Welt hinaus finden würden.
Altes-Neues (oder irgendwann vielleicht „ganz Neues“) von
Cosmic Baby, ein Widerspruch? Ach nein. Eher ich bin jetzt entspannt
genug, CB als das zu sehen, was es für mich heute ist: eine
künstlerische Identität, eine musikalische Ausdrucksweise,
statt einer phantasmagorischen „Über-Ich“ -
Identifikation. Damit lässt sich's leben, auch für die
Zukunft.
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2. Über „Industrie & Melodie“ |
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I
„Rotes Quadrat auf Schwarzem
Grund“
Hintergrund: Im Jahr 1998 versuchte ich mich daran, ein
„brilliantes“ - Cosmic Baby - Album zu machen. Es sollte
der Summe aller inneren und äußeren Anforderungen und
Ansprüchen gerecht werden: es sollte charttauglich sein, und
gleichzeitig eigenständig, es sollte bezaubern wie „Stellar
Supreme“, aber doch anders klingen, es sollte nicht mehr Techno
sein und doch die Musik, der ich so viel verdanke, nicht verleugnen,
ich wollte es Leuten „zeigen“, aus deren Umfeld ich mich
anderseits schon gelöst hatte. Sollte, wollte, musste... Klarer
Fall von Übermotivation. Klarer Fall von Verkrampfung.
Ich betrachtete das neue Album-Vorhaben „Heaven“ als eine
Aufgabe, die ich zu lösen hatte, der ich gerecht werden musste
und suchte nach vielen möglichen inspirativen Ansätzen.
Wirkliche Freude machte mir nur eine Facette dieser Suche, wie sich
CB-Musik 1998 anhören könnte:
In der Rückbesinnung und Neuverarbeitung des kulturellen Erbes
vornehmlich in Deutschland entstandener elektronischer Musik der 70er
fand ich ein inspirierendes Leitmotiv. Ich richtete mir einen
speziellen Arbeitsplatz ein, der nur mit elektronischen Instrumenten
dieser Epoche bestückt war: Minimoog, Moog Prodigy, Moog Source,
Jupiter 8, TB 303, TR 33, TR 808, TR 909, SH 101 und legte
los.
Ich nannte das (Teil-) Projekt in Anlehnung an den russischen
Suprematismus und Konstruktivismus „Rotes Quadrat auf Schwarzem
Grund“. In Zeiten des angestrengten Feilens und Schleifens an
möglichst idealen „Heaven“-Tracks, leuchteten meine
Augen schon auf, wenn ich nur an „das Rote Quadrat“
dachte; vergleichbar mit dem Gefühl eines Schichtarbeiters, der
an der Maschine stehend an den Feierabend denkt. Während die
Arbeit an den anderen Baustellen sich eher zäh dahin zogen,
fühlte ich mich beim „Retro-Musizieren“ wie auf einer
künstlerischen Oase.
Aus dem Abstand heraus betrachtet, handelt es sich um einen klaren
Fall von Sublimierung, Selbstversklavung und verkehrter Welt: Denn
trotz des an Leib und Seele gespürten
Heiß-Kalt-Gefälles, oder gerade deswegen (?), zwang ich
mich, mein Hauptaugenmerk auf die eher verkorksten Sackgassen zu
legen, statt meinem Gefühl zu folgen und mich auf das zu
konzentrieren, was mir damals wirklichen Spaß machte.
II
Persönliche Anmerkungen zu
„Rotes Qudrat auf Schwarzem Grund“, geschrieben
1998:
ROTES QUADRAT AUF SCHWARZEM GRUND
In den letzten Wochen hatte ich viel Spaß daran, Musik zu
entwerfen, die irgendwie so klingt, als hätten sich ein
Pop-Art-Comiczeichner und ein Verfasser kleiner
Science-Fiction-Geschichten zusammengetan und versucht, mit
elektronischen Klangerzeugern aus den 70er Jahren Ihre Ideen in Musik
umzuwandeln.
Etwas seltsam klingt das schon - elektronischer Krautrock - oder New
Wave - oder Technopop - im Prinzip ja - aber...?...nein eher doch
nicht!
Jedenfalls entstanden eine ganze Menge in sich abgeschlossene
elektronische Kurzgeschichten:
Sie handeln etwa von einer abenteuerlichen „Reise durch den
Süden“, dessen „Sonnenschein“ einen
Mitteleuropäer durchaus zu einer verschrobenen Elegie
hinreißen lassen kann oder von dem Atomphysiker Wolfgang Pauli,
dessen Schicksal es zu sein schien, daß seine Versuchsreihen
immer dann schief gingen, wenn er das Experimentallabor betreten
wollte. Da gibt es sprechende Computer, die sich über den
zeitgeistigen Lebensstil ihrer menschlichen Erfinder und Benutzer
mokieren, Roboter, die in Maschinensprache singen oder in ihrer
nicht-rostenden Körperlichkeit zeitübergreifend
Elektro-Boogie tanzen. Die Geschichten erzählen von kindlichen
Ausflügen per Eisenbahn ins „Wunderland“ oder
pathetischen in die „Sowjetunion“... Sie entwerfen eine
neue Tanzsuite für das „Triadische Ballet“ des
Dessauer Bauhauses oder beschreiben die spukhafte Atmosphäre des
Berliner S-Bahnknotenpunktes „Ostkreuz“ in einer
düsteren Novembernacht ... durchzogen von Episoden des
alltäglichen Lebens wie „Erlebten Zufällen der
Gleichzeitigkeit“, dem Aufstehen nach „Schlechtem
Schlaf“, dem besseren Fernsehprogramm beim Blick ins
„Aquarium“, bis hin zur „kleinen feinen
Traumschleife“ als Möglichkeit der Auszeit irgendwo und
überall...
III
I certainly have experienced coincidences
of a synchronistic nature
Die zwischen November 1997 und Januar 1999 entstandenen Stücke des
„Roten Quadrats“ höre ich heute als Fortsetzung und
(Weiter-) Entwicklung von „14 Pieces - selected Works“,
denn sie entstanden in einer ebenso spielerischen Atmosphäre der
inspirierten Leichtigkeit. Spannte ich bei „14 Pieces“
einen sehr offenen stilistischen Bogen, so lag der Reiz beim
„Quadrat“ in der Konzentration auf eine einzige
Klangvorstellung. Die Stücke kommen nun als „industrie &
melodie“ mit einer - vernachlässigbaren - Verzögerung von
sieben Jahren im Dezember 2006 heraus. Genau so, wie sie damals final
abgemischt worden waren.
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3. Hörbeispiele |
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Audiofile 1: experienced coincidences
[MP3]
[RA]
Audiofile 2: industrie & melodie
[MP3]
[RA]
Audiofile 3: wolfgang pauli im experimentallabor
[MP3]
[RA]
Audiofile 4: sowjetunion
[MP3]
[RA]
Die Sound-Beispiele benötigen entweder einen MP3- oder den
RealPlayer (www.real.com), zum Anhören (korrekte
Einbindung im Browser vorrausgesetzt) jeweils auf den "[MP3]" oder den
"[RA]"-Link hinter dem Titel klicken.
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4. Texte |
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i certainly have experienced coincidences
of a synchronistic nature
neunzehnhundertachtundsechzig
neunzehnhundertundelf
neunzehnhundertfünfzig
zweitausendzehn
zeitroboter
gestern - heute - morgen
zeitroboter
zukunft
zukunft
zukunft
die reise durch den süden
die reise durch den sonnenschein
ein luxusgut
für jedermann.
ein auto und
tv - programm.
pauschalurlaub,
erlebnisraum.
per joystick in den
cyber-traum.
ein film beschreibt
die wirklichkeit
in digitaler
natürlichkeit.
vollkommen ist
die illusion,
durch marketing
in perfektion.
unsichtbare
energien,
austauschbare
strategien.
schönheit, lust:
berechenbar.
alle träume
werden wahr.
er war ein extremer theoretiker,
der von experimenten
wenig ahnung hatte.
aber den merkwürdigen effekt,
immer, wenn er in ein
experimentallabor reinkam,
dann schienen die versuche
fehl zu gehen...
...
...
...
schönheit, lust:
berechenbar.
alle träume
werden wahr.
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5. „Familienaufstellung“ - elektronische Musik |
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An vielen Stellen habe ich mich immer wieder auf das
Protagonisten-Viereck bezogen, das mich in der Hauptsache dazu
gebracht hat, selbst elektronische Musik machen zu wollen. Hier eine
etwas aus-führlichere „Familienaufstellung“. Gerade
aus dem Hintergrund von „industrie & melodie“ wird
nachvollziehbar, wie stark mich die Generationen 1 und 2
beeinflußt haben:
Generation 1 (zu Unrecht im Schatten des Vierecks
Kraftwerk- TD - Sakamoto - Vangelis):
Can, Moebius, Roedelius, Cluster, Eno, Harmonia/Michael Rother, Neu/La
Düsseldorf, The Residents, Yello, David Sylvian, Pinguin Cafe
Orchestra, Pink Floyd
Generation 2 (leider war ich noch zu klein, um damals
schon mitspielen zu können...):
Laurie Anderson, Goebbels-Harth, Der Plan/Pyrolator, FSK, Heaven 17,
DAF, Malaria, Die Tödliche Doris, Tom Dokupil/Siluetes 61, Holger
Hiller, Reifenstahl, FM Einheit/Neubauten, Tuxedo Moon, Material/Bill
Laswell, Talking Heads, Afrika Bambataa, Richard Kirk, A certain
Ratio, The Human League, Art of Noise/Trevor Horn, Joy Division/New
Order
Generation 3 (also meine Generation):
Future Sound of London, Peter Kuhlmann, The Modernist, Alva Noto,
Thomas Fanger, Orbital, Jam & Spoon, Mario von Hacht, Aphex Twin,
Autecre, Move D, Derek May, Massive Attack, Der Dritte Raum, Stevie
B-Zet
Generation 4 (die Nachgeborenen...):
Kreidler, Ulrich Schnauss, Air, Daft Punk, Röyksopp, Peter Licht,
Dorfmeister/Huber, Jeans Team
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